Clare Goodwin_sottovoce

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«sottovoce» ist die zweite Einzelausstellung von Clare Goodwin, die ausschliesslich ihren Wandgemälden gewidmet ist. Im Haus der Kunst St. Josef in Solothurn wird die Künstlerin, die in erster Linie für ihre Leinwandarbeiten, in jüngerer Zeit auch für ihre Keramiken und Objekte bekannt ist, elf Wandmalereien speziell für die drei Ausstellungsräume im Haus der Kunst, einer ehemaligen Klosterkirche aus dem 17. Jahrhundert, anfertigen.

Goodwins Schaffen wurzelt in der britischen, schweizerischen und europäischen Hard-Edge-Malerei sowie im Konstruktivismus und der konkreten Kunst. Die 1973 in Birmingham UK geborene Künstlerin lebt und arbeitet seit 2003 in Zürich. Durch ihre malerische Sprache zeigt die Künstlerin eine persönliche Sicht auf die kunsthistorischen Sprachen und Strategien. Indem sie die mathematischen Prinzipien und prozessbasierten Regeln der Vergangenheit abwirft, choreografiert sie intuitiv abstrakte Formen. Dabei wendet sie ihre eigenen Regeln an, welche von nostalgischen Erfahrungen und Erzählungen geprägt sind, die Menschen mit Objekten verbinden. Wie minimalistisch oder strikt konstruiert Goodwins Werke auch scheinen mögen, können sie mit ihren Titeln, die dem Skript einer Sitcom entstammen könnten, immer auch als Porträts verstanden werden, als die reduzierte gestalterische Essenz verschiedener menschlicher Vorlieben und Schwächen.

«sottovoce» ist das viel grössere Folgeprojekt zu einer Serie von Wandgemälden, die Goodwin 2019 für den Austellungsraum Last Tango in Zürich geschaffen hat. Der Ausdruck «sottovoce» heisst wörtlich übersetzt «gedämpft», «leise», und impliziert das absichtliche Absenken der Stimmlage, um so die Wichtigkeit des Gesagten zu betonen. Wie in der Musik, verstärkt eine zurückgenommene Lautstärke auch beim Sprechen den Inhalt des Gesagten. Eine Stimme muss nicht lärmend laut sein, um gehört zu werden.

Die aus mehreren einzelnen Arbeiten bestehende Installation, die unter Einbezug der besonderen Merkmale des Gebäudes und dessen sakralem Grundriss angefertigt wurde, wird erneut die physischen und assoziativen Grenzen von Goodwins malerischer Sprache herausfordern und ausloten. Mit einer ähnlich reduzierten Palette an inkarnatfarbenen Pastelltönen, die durch schwarze, scharfkantige Formen unterbrochen werden, wird die Künstlerin zwei Gruppen von unterschiedlichen Wandgemälden schaffen, die auch einige ihrer neuen keramischen Werke mit dem Titel «Whispers» («Raunen») umfasst. Wie die Titel dieser Werke und der Ausstellung selbst bereits andeuten, interessiert Goodwin sich für das gedämpfte, geheime Gespräch und alles, was im Flüstern enthalten ist, und entwickelt daraus den Bauplan für ihren malerischen Ansatz.

Die ersten beiden Räume werden eine Serie von thematisch zusammenhängenden Werken beherbergen, welche die Wand zu einem scheinbar durchscheinenden Vorhang verwandeln und die wie ein mechanischer Tanz konstruiert sind – ästhetisch gesehen wirken sie wie eine Gesellschaft Duchampscher Bräute. Man assoziiert hier, im Kirchenschiff dieser profanierten katholischen Kapelle, natürlich eher Nonnen und weniger die Bräute, und die wie Faltenwürfe wirkende kubistische Konstruktion dieses mehrteiligen Werks lässt den Betrachter das Rascheln der Habite von um die Ecken huschenden Nonnen und das heimliche Gemurmel einer Schwesterngemeinschaft, die in ehrfurchtsvoller Stille lebt, vorstellen.

Den Chor, diesen ursprünglich für die Öffentlichkeit verborgenen Raum, wo die Schwestern während den Gottesdiensten durch Gitter getrennt von den Mitgliedern der Gemeinde sassen und sangen, gestaltet Goodwin wie eine Erweiterung ihres Ateliers. Die Arbeiten erscheinen hier eher wie fünf einzelne Arbeiten auf Leinwand als ein System aus miteinander verbundenen, skalierbaren Elementen. Wie die Blüten einer Königin der Nacht werden die Wandgemälde nur für die Dauer der Ausstellung leben. Vor Ort nach Skizzenbuchzeichnungen ausgeführt, werden sie nach Ende der Ausstellung übermalt. Der einzige Beweis ihrer Existenz werden die elf «bozzetti» (Entwürfe) sein, die von der Künstlerin während der Projektphase erstellt wurden.
Text: Rebecca Geldard
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